Jugendarbeit, welche Vorstellung hätte ein FW/UW Landrat?

Jugendrichter Burger berichtete Ende 2001 über einen erschreckenden Zuwachs der Jugendkriminalität im Landkreis Traunstein. Trostberg hatte eine Zunahme von 46%, Traunreut von 36%, Ruhpolding von 66% und Grassau von 100%.

Immer mehr Familien, aber auch Lehrer, fühlen sich bei Erziehung der Kinder überfordert. Zahlreiche Hilferufe an das Kreisjugendamt können erst mit enormer Zeitverzögerung bearbeitet werden (Wartezeiten bis vier Monate in der Familienhilfe), da leider Personal fehlt. Andernteils muss der Kreis über 9 Mill. Euro im Jahr 2010, bei sinkenden Einnahmen, in der Jugendhilfehaushalt ausgeben.

Für eine Mutter mit vier Kindern in einem Heim. Oder im Juli mussten wegen Vermüllung der Wohnung,  aus vier Familien die Kinder, herausgeholt werden. Mehrkosten 50.000.Euro. Weiterhin wurden, um eine Heimunterbringung abzuwenden, für Erziehungsbeistand oder Betreuungshelfer 1 Million Euro mehr ausgegeben. Die Heimkosten stiegen von 3,9 auf 4,2 Millionen Euro .Für Eingliederungshilfen bei seelisch behinderten Kindern mussten knapp 500.000.- Euro mehr aufgebracht werden. Trotz aufopferungsvoller ehrenamtlicher Arbeit von den Vereinen und gemeinnütziger Organisationen, ist es bisher nicht gelungen, diese Entwicklung aufzuhalten. Viele Kinder und Jugendliche lassen sich nur noch ganz schwer an leiten. Ihre Lebensvorstellungen sind sehr egoistisch, ihre Bereitschaft, sich in die Gesellschaft zu integrieren ist sehr gering  und ihre Interessen lassen sich nur sehr schwer herausfinden. Lebensziel ist es, ohne viel Arbeit viel Geld zu verdienen. Religionen und Familie spielen nur noch bei wenigen eine Rolle. Engagement in der Gesellschaft interessiert häufig nicht mehr. Um sich mit dem eigenen Elend nicht auseinandersetzen zu müssen, fliehen sie in die Welt der Virtualität. Drogen, Chatten, Illusionen, Sekten  und Konsum werden zum Lebensmittelpunkt. Fremdes Eigentum wird nicht mehr geachtet und teilweise ohne Rücksicht zerstört. Der Wert des Menschenlebens wird gering geschätzt, verstärkt durch Filmindustrie und viele andere Medien. Die innergesellschaftliche Auseinandersetzung wird nicht mehr in Diskussionen geführt. Die Gewaltbereitschaft steigt. Bestes Beispiel sind die vielen brutalen Schlägereien, die Randale in Discobussen und Fußballstadien, Diebstähle und Betrügereien. Rückbesinnung wird nur möglich sein, wenn wir nicht aufgeben. Es muss gelingen, den Kindern zu vermitteln, dass ihre Freiheit dort aufhört, wo die Freiheit des Anderen beginnt. Kritik soll im gegenseitigen achtungsvollen Respekt erfolgen. Familien sollen wieder ihre Aufgabe als Keimzelle einer Gesellschaft erfüllen können.  Kindern müssen die Eckpfeiler eines Wertgefüges vermittelt werden. Dies wird nicht möglich sein, wenn die Eltern und die Lehrer inkonsequent sind. Spielregeln müssen beachtet werden. Diese Spielregeln sollten gemeinsam erarbeitet werden. Nur so kann ein Wertgefüge entstehen, das Anfechtungen standhält. Kinder müssen ihre Grenzen kennenlernen, sie sollten lernen, was Anstand heißt. Sie müssen lernen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen. Die Gesellschaft kann nur Hilfestellung dazugeben. Hier ist die Politik gefordert.

Betreuung der hilfesuchenden Familien zuhause. Betreuung der Kinder und Jugendlichen auf der Straße. Unterstützung der Arbeit der Vereine, die die Kinder von der Straße wegholen, Aufklärung der Kinder in den Schulen über Drogen, Gefahren und gesellschaftliche Zusammenhänge. Bessere Betreuung der Kinder am Nachmittag, Ganztagesschulen, Angebote für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Kleinere Klassen, um die Kinder besser in ihrer Persönlichkeitsentfaltung unterstützen zu können. Sicher kostet das mehr Geld, aber es ist eine Investition in unsere gesellschaftliche Zukunft.