Wie auf dem Holzweg Kunst entsteht Berchtesgadener Schnitzschule bildet Schreiner und Holzbildhauer aus

Dr. Lothar Seissiger  und Annelie Gromoll, Direktkandidaten für Land- und Bezirkstag im Landkreis Traunstein haben sich über die dortigen Ausbildungsmöglichkeiten informiert.

Berchtesgaden (jv) – Denkt man an das Holzhandwerk in Verbindung mit künstlerischer Gestaltung, so kommen einem oft Nussknacker und Räuchermännchen aus dem Erzgebirge oder Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald in den Sinn. Aber auch in unserer Region hat die Holzkunst eine lange Tradition, die überdauert. Dafür sorgt die Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises, die dieser Tage von einer Abordnung der Freien Wähler genauer unter die Lupe genommen wurde.

Gleich am Eingang der Schule fallen zwei Furcht einflößende, überdimensionale Figuren mit bewusst gestalteten Ecken und Kanten in ihrer Physiognomie ins Auge. Mit immer neuen Projektideen überrascht Schulleiter Norbert Däuber seine Schüler. Knapp 80 sind es derzeit, die hier am Alpenrand von 10 Lehrkräften in der Kunst des Holzhandwerks unterwiesen werden. Dabei muss man kein Künstler sein oder werden wollen, um am theoretischen und praktischen Unterricht teilnehmen zu können.

Knapp die Hälfte der Schülerschaft der an der Berchtesgadener Ache, direkt am Fuße des Obersalzberges gelegenen Ausbildungsstätte absolviert eine Ausbildung als Schreiner. Die Schule ist sehr gut ausgestattet. Es erfordert einen gewissen logistischen Aufwand, die anstehenden Aufträge räumlich und zeitlich in der Schule unterzubringen. Trotzdem nehmen die Schreiner auch an einem Schnitzkurs teil.

Während die Schreiner nach ihrer Ausbildung in der Regel in einem Handwerksbetrieb unterkämen, besuchten die Holzbildhauer eine Akademie, so Schulleiter Däuber. „Ein passendes Studium und die Laufbahn in Richtung Selbständigkeit seien die Regel. Däuber zeigt den Bezirkskandidatinnen der Freien Wähler, Annelie Gromoll und Brigitte Rudholzer und den Landtagskandidaten Michael Koller und Dr. Lothar Seissiger die Möglichkeiten einer Ausbildung auf, die die Vermittlung von theoretischem Wissen und die kreative Gestaltung sinnvoll verbindet. „Für den Bildhauer ist der eigene Entwurf vor dem Schaffensprozess von besonderer Bedeutung.“

„Die Kunst lebt nicht vom Brot allein“, besagt ein altes Sprichwort. Doch ganz ohne Brot kommt auch die Kunst nicht aus. Um eine möglichst handwerksnahe Ausbildung zu erreichen ist es notwendig, dass die Schule auch Aufträge von Privatpersonen ausführt. So kann auch die Schule den Landkreis Berchtesgadener Land, der Sachaufwandsträger ist, unterstützen. Weitere Mittel zur Aufrechterhaltung des Lehrbetriebes werden vom Kultusministerium und von der Regierung von Oberbayern bereitgestellt. Durch Gelder der Dannerstiftung kann jährlich ein klasseninterner Wettbewerb stattfinden. Die Ergebnisse werden am zweiten Dezemberwochenende bei einem „Tag der offenen Tür“ der Öffentlichkeit präsentiert. Dies ist genauso eine Möglichkeit die Schule zu besuchen wie die Ausstellung der Abschlussarbeiten, die jedes Jahr am letzten Schulwochenende stattfindet.

Wer sich dem Holzhandwerk oder der Holzkunst und seinen Produkten und Werken verschreiben möchte, hat alljährlich im Frühjahr Gelegenheit, an einer Aufnahmeprüfung teilzunehmen. Die Mindestvoraussetzung ist der Hauptschulabschluss, wenn auch viele unserer Schüler Abitur haben, so Däuber.  Das sei aber nicht Voraussetzung für die Ausbildung.