Ist die medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Gefahr? Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten.

Dr. med. Lothar Seissiger und der gesundheitspolitische Sprecher der Freien Wähler im Landtag Dr. med. Karl Vetter aus Cham

Auf Einladung des Landtagsdirektkandidaten der Freien Wähler Dr. med. Lothar Seissiger kam der gesundheitspolitische Sprecher der Freien Wähler im Landtag Dr. med. Karl Vetter aus Cham nach Ruhpolding.  Gut vorbereitet war die Veranstaltung von Alex Kellndorfer dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden der VRB. Mit diskutierten Michael Koller Landtagslistenkandidat der Freien Wähler im Landkreis Traunstein und Direktkandidat im Berchtesgadener Land und unsere beiden Bezirkstagskandidatinnen Annelie Gromoll und Brigitte Rudholzer.

Dr Seissiger schilderte zunächst die Schwierigkeiten im Landkreis Traunstein die hausärztliche Versorgung  in Zukunft aufrecht zu erhalten. Immer mehr Hausärzte finden im ländlichen Raum keinen Nachfolger mehr für Ihre Praxen. Auch wenn Sie bereit sind ihre Praxis zum Nulltarif zur Sicherung der Patientenversorgung weiter zu geben. Auch bei den Bereitschaftdiensten gibt es Engpässe. Die kassenärztliche Vereinigung hat deswegen verfügt, dass sich auch Psychotherapeuten, Laborärzte  und Pathologen an diesen Bereitschaftsdiensten beteiligen zu haben. Eine wenig sinnvolle Maßnahme, da diese Fachgruppen von einer sinnvollen Diagnostik sicher überfordert sind. Am Beispiel der Entwicklung des Bereitschaftsdienstes im Achental machte Dr.  Seissiger dies deutlich. Wurde das Achental bisher von 3 Dienstgruppen versorgt, so ist auf Grund der neuen Bereitschaftsdienstordnung eine daraus gemacht worden. Der diensthabende Arzt versorgt am Wochenende eine Region die von Übersee bis Reit im Winkl und von Staudach bis Schleching reicht. Für Hausbesuche muss er neben den anzubietenden Sprechstunden viele Kilometer fahren. Dadurch entstehen für die Hilfe suchenden Patienten lange Wartezeiten.  Die großen Dienstbereiche sind der Tatsache geschuldet, dass die neue Bereitschaftsdienstordnung vorsieht, eine Dienstgruppe dann der nächst größeren Dienstgruppe zu zuordnen, wenn die Dienstgruppenstärke  15 Mitglieder unterschreitet. In der Allgemeinmedizin ist es in der Zwischenzeit zu einer Überalterung gekommen, in den nächsten 7 Jahren werden circa die Hälfte der Hausärzte ihre Tätigkeit beenden. Leider finden die meisten keinen Nachfolger. Daraus folgt, dass wir im Landkreis Traunstein noch größere Dienstbereiche bekommen werden. Von links nach rechts. Michael Koller, Landtagskandidat, Realschulfachlehrer aus Berchtesgaden, Brigitte Rudholzer, Bezirkstagskandidatin, Pfarrsekretärin aus Laufen, Annelie Gromoll, Bezirkstagskandidatin, Buchhalterin aus Inzell, Dr. med. Karl Vetter, Mitglied des Landtages, Orthopäde aus Cham und Gastgeber Alex Kellndorfer, Rettungsassistent aus Ruhpolding.

Dr. Vetter bedauerte, dass diese Schilderung der Wahrheit entspräche. Aber die Freien Wähler hätten ein Konzept entwickelt, wie man diese Situation ändern könne. Niederlassungen in den Speckgürteln der Ballungszentren müssen sich am Bedarf ausrichten. Medizinstudienplätze sollten in Zukunft nicht mehr nach Schulnoten, sondern nach Eignung vergeben werden. Eine Einungsprüfung wäre sicher der gerechtere Weg. Die Wertschätzung und das Ansehen des Hausarztberufes könnte durch Einrichtung von Lehrstühlen an den Universitäten erhöht werden.  Eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und ärztlicher Tätigkeit durch vernünftige  dienstliche Regelungen und neuen Kooperationsmodellen könnte die Attraktivität erhöhen. Planungssicherheit durch eine vernünftige Honorarvereinbarungen und Weiterführung der Hausärzteverträge über 2014 hinaus wären ein weiterer Baustein. Der falsche Weg ist es wenn die Krankenkassen Honorarerhöhungen an Einsparungen im Medikamentenbereich knüpfen.  Mehrfach hatte er im Parlament den ehemaligen bayerischen Gesundheitsminister aufgefordert, leider ungehört sich aktiv in die Weichenstellung der ärztlichen Ausbildung, Niederlassung und einer gerechten Honorierung einzubringen.

Auch die Finanzierung der Krankenhäuser in öffentlicher Hand muss in den Augen von Dr Vetter geändert werden. Die Südostbayern Klinik AG hat im Geschäftsjahr 2012 ein Defizit von 5,8 Millionen gemacht.  Die Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter ist dafür sicher nicht der Grund. Die pflegerische und medizinische Versorgung ist nach wie vor von hoher Qualität. Es sind strukturelle Gründe und die Tatsache, dass von den Tariflohnsteigerungen des Jahres 2012  in Höhe von 3,5% nur 1,5%  von den Kassen im Budget erstattet wurden. Dazu muss man wissen,  Personalkosten machen den Hauptteil der Ausgaben im Krankenhaus aus.

In der Diskussion ging es zunächst um die prekäre Situation im Notarztdienst. An immer mehr Notarztstandorten im Landkreis Traunstein kommt es zu Besetzungsengpässen. Grund hierfür ist erstens die lange Ausbildung bis sie im Notarztdienst eingesetzte werden dürfen, zweiten, dass sie für eine zwei jährige Zulassung 520 Euro zahlen müssen und drittens die inadäquate Honorierung. Auch hier wurde von den Freien Wählern immer wieder, bedauerlicher Weise ohne Erfolg, gefordert, dass sich der bayerische Gesundheitsminister moderierend einbringt. Dr Vetter forderte alle Bürger  auf  die Zustände nicht nur zu beklagen, sondern aktiv von der Politik eine Verbesserung einzufordern. Der Anregung  der ehemaligen Ruhpoldinger Familienbeauftragten die gesundheitspolitische Bildung der  Bevölkerung von klein auf  zu forcieren fand offene Ohren.